Die Wohnung Laufbergergasse Wie Himmelblau-Swiczinsky Jimi Hendrix und Electric Ladyland erlebte
Die Laufbergergasse, eine kurze schmale Gasse, die auf den Donaukanal hinauszielt. Die Wohnung im ersten Stock, eine Großherrschaftswohnung mit zwei WCs, einem großen Bad und einer Großküche. Zwei junge Familien, zwei Studenten, ein Gast oder zwei, eine Wohngemeinschaft, eine trügerische Idylle. Hier und dort wird gekocht. Jimi Hendrix ist zu Gast, zwei Auftritte im Konzerthaus nacheinander erlebt, vier bis fünf Stunden Rockorgan, Sturm, Geräusch-Hurrikan, gigantischer Magier der Stahlseiten, er hackt, beißt, streichelt, zaubert. Electric Ladyland-Doppelalbum wird gekauft, kurz danach vergriffen, verboten: das Cover TWENTY NAKED WOMEN – BLACK AND WHITE … WOODOO CHILD … AND THE GODS MADE LOVE … CROSSTOWN TRAFFIC … Der ZÜND-UP-Hermann hat in seinem schmalen Kabinett den braunen Volksempfänger aus Braunau neben dem Bett stehen, schon kaum mehr Platz zum Sitzen, liegen wir auf dem Boden. Aus zwei Pappröhren, die an die Ohren gehalten mit Zusammenfügung und Erweiterung zum Riesentrichter wurden, wurde die Stereo-Hör-Hilfe gebaut. Der Trichter vor den zerschlissenen bräunlichen Stoffbespannungen des Lautsprechers fängt die Hendrix-Soundfluten auf und knallt sie uns in die Ohren. |
Zwar Monolaut, aber gebündelt, prallt der Ton auf die Trommelfelle und bläst uns ins Hirn. Der oder die Joints sind notwendige Verstärker, sie lassen uns fliegen. Der Hausherr Swi (Helmut Swiczinsky – Architekturgruppe Coop Himmelblau) dringt in den Joint-Tonraum. Bässe beuteln die Wände – leiser! Hermann und Timo locken ihn mit dem Hörverstärker, der Sound verzaubert auch ihn, der Jo trägt ihn höher, lässt ihn nicht mehr los, wir werden ein TRIO im Electric Ladyland. Flug durch die Rockwelten, Hirnwogen und Fluten bis tief in die Nacht. Das Kabinett ein Airplane-Raumkörper. Hermanns Kabinett ein Bett, eine Zeichenplatte, Regale aus Obst-Holzsteigen, Leben aus dem Koffer. Das Fenster auf die Gasse, das Hermann-Kunstbuch mit dem Steh-auf-Penis, den Pop-Glitzerbildern und der Grafik aus getrocknetem Eigenblut. Timos Zimmer ein Durchgangsraum, zwei Fenster auf den Lichtschacht – mit schwarzem Papier zugeklebt – keine Witterung, kein Wetter, kein Himmel. Kamin manchmal benützt, Rauch-Rückstau, Krankenhaus-Rohrstahl-Bett, eng zu zweit; schwarzer Klapptisch überhäuft mit Plänen und Büchern, wer weiß, wie je gearbeitet. Jimi-Hendrix-Poster mit schwarzem Kreuz an der Wand – abgewohnte Wände, in Augenhöhe mit weißem Packpapier kaschiert, regen zur Gestaltung an. Der kleine arme Heizlüfter schafft den Raum mit 3 Meter 40 Höhe kaum. Wenn Hermann mit Damenbesuch kommt, muss er queren, wenn Timo Damenbesuch hat, lernen sich alle vier schnell kennen. [ TH ] |